Strommarkt: Photovoltaik wird immer mehr zum Kostensenker und Kostenführer
In Zeiten hoher Solarstromproduktion brechen Preise auf ganzer Linie ein – Das EEG ist besonders für stromintensive Betriebe ein Kostensenker
Es wird wenig in den Medien berichtet, was Photovoltaik an den Strommärkten bewirkt. Dabei sind die Auswirkungen deutlich zu spüren: die Preise für Spitzenlaststrom (Peakload) nähern sich immer mehr den Preisen für den an sich teuren Grundlaststrom (Baseload). Die an der Leipziger Strombörse EEX gehandelten Mengen an Solarstrom sind inzwischen so stark gewachsen, dass die Preise für Spitzenlaststrom tendenziell fallen.
Im Dayahead-Markt wird der Strom gehandelt, der am Folgetag geliefert wird. Der Preisunterschied zwischen Spitzenlaststrom und Grundlaststrom lag vor 4 Jahren in diesem Marktsegment noch zwischen 25 und 30 Prozent. Heute beträgt er nur noch ca. 10 Prozent. Verantwortlich für diese Entwicklung sind die Strommengen, die durch Photovoltaikanlagen (Dachanlagen und Freiflächenanlagen) geliefert werden. Die installierte Photovoltaik-Leistung hat sich seit 2007 mehr als vervierfacht. Teilweise wird der Strom an der Börse schon zu Tiefstpreisen verscherbelt: An bereits zehn Tagen in diesem Jahr war Spitzenlaststrom sogar billiger als Grundlaststrom.
Im Terminmarkt – das ist der Handel mit Stromlieferungen, die weit in der Zukunft liegen – ist die Situation ähnlich.
Laut EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) müssen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) die gesamte vorausgesagte Menge Strom aus erneuerbaren Energien am Tag vor ihrer Lieferung anbieten. Durch dieses „Vorrecht“ wird gewährleistet, dass wirklich sämtlicher EEG-Strom vermarktet wird. Für die Preisbildung sorgt dann der Merit-Order-Mechanismus. Stromproduzenten bieten an der EEX Strom von billigen wie auch teuren Kraftwerken an. Bei niedriger Nachfrage wird nur billiger Strom verkauft. Teuer produzierende Kraftwerke werden heruntergefahren, wenn deren Strom nicht gebraucht wird. Bei hoher Nachfrage können auch teure Stromproduzenten ihre Leistung auf den Markt anbieten.
Der Strom von Solarkraftwerken wird in jedem Fall verkauft. In diesem System sind sie stets Kostenführer. Wenn eine hohe Solarleistung vorausgesagt wird, sinkt der Strompreis auf das Angebot der nächstgünstigeren Kraftwerke.
Für die Vermutung, dass Preiseinbrüche im Dayahead-Markt in Zukunft noch häufiger zu erwarten sind, spricht ein Effekt im Intraday-Markt. Hier wird Strom noch bis zu einer Dreiviertelstunde vor seiner Lieferung angeboten und gekauft. Wenn die Leistungsprognose von Ökostrom am Vortag zu konservativ war, können ÜNB das Überangebot nutzen, um den erneuerbaren Strom zu vermarkten.
Den größten Nutzen von den Preissenkungen an der Börse ziehen Strom-Großverbraucher von energieintensiven Unternehmen wie Aluminium-Hütten oder Stahlwerken. Sie können einerseits Strom günstiger einkaufen als früher, tragen andererseits aber kaum zur Finanzierung der Solarförderung bei. Das EEG befreit Großverbraucher weitgehend von der Strom-Umlage, die alle anderen Stromverbraucher zahlen müssen.
Stadtwerke sichern sich in der Regel einen bestimmten Strombedarf langfristig und kaufen kurzfristig zu, wenn der Strom besonders günstig ist. Der Preisvorteil wird teilweise schon an ihre Kunden weitergegeben. Damit dieser Trend anhält, muss aber noch mehr Photovoltaik ans Netz gehen. Die Einspeisevergütung wird erwartungsgemäß immer stärker sinken. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem für die Endkunden die Stromkosten geringer sein werden als die Mehrkosten für den EEG-Strom.
Quelle: Photon 8/2011

