Plusenergiehaus: Leben im „Kraftwerk“ – die Zukunft des Wohnens?
Das Wohnhaus der Zukunft könnte mehr Energie erzeugen, als deren Bewohner verbrauchen: der überschüssige Strom könnte zum Betanken elektromobiler Fahrzeuge verwendet oder in das Stromnetz eingespeist werden. Das von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden entworfene „Plusenergiehaus mit Elektro-Mobilität“ realisiert diese energetische Vision. Das „Wohn-Kraftwerk“ mit 142 qm Wohnfläche liefert genug Energie für einen 4-Personen-Haushalt mit zwei Elektroautos und einem Elektroroller (jährliche Fahrleistung: 29.000 km). Das Dresdner Forscherteam erzielte mit diesem technisch innovativen Wohnhauskonzept den zweiten Preis beim Planungswettbewerb der „Forschungsinitiative Zukunft Bau“.
Das konventionell gestaltete Einfamilienhaus kommt ohne fossile Energieträger aus. Mehrere Elemente, die Einfluss auf die Energieerzeugung und eine effiziente Energieverwendung haben, werden intelligent kombiniert. Zur Energiegewinnung für den Betrieb des Gebäudes und die Fahrzeuge wird Photovoltaik eingesetzt, die Außenluft liefert Energie für die Wärmepumpe und Erdwärme kühlt oder wärmt die Außenluft vor. Struktur von Fassade und Dach, mit einer vergrößerten und optimal nach Süden ausgerichteten Dachfläche, sind für die Photovoltaik-Technik optimiert. Traditionelle Wohnform und eine umweltfreundliche Energiegewinnung werden harmonisch miteinander verbunden. Über berührungsempfindliche Bildschirme (Touch Screens) können die Bewohner des Hauses die aufwändige Gebäudetechnik einfach steuern.
Der Einsatz von erneuerbaren Energien deckt nicht nur vollständig den gesamten Energiebedarf des Hauses, sondern ermöglicht mit einem Energie-Mehrertrag auch noch die Einspeisung von Strom in das Netz. Die Wissenschaftler erreichen bei der Entwicklung des Plusenergiehauses ihre zentrale Zielsetzung: eine weitgehende Integration neuer Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien und eine unabhängige Energieversorgung für Haus und Elektromobilität. Als nächstes arbeiten die Forscher daran, das Plusenergiehaus zur Marktreife zu bringen. Wenn sich diese Idee großflächig durchsetzen sollte, stellt sich da nicht die Frage: wozu brauchen wir dann überhaupt noch neue Gas- oder Kohlekraftwerke und die aufwändigen Umbauten des Stromnetzes für die jüngst einberufene Energiewende?
Quelle: BINE Informationsdienst

