Energiewende in Deutschland: das Stromnetz der Zukunft
Auf dem kürzlich stattgefundenen Energiegipfel bestärkte die Bundesregierung noch einmal ihre Absicht, schnellstmöglich aus der Kernenergie auszusteigen und in die Versorgung mit erneuerbaren Energien um- und einzusteigen. Für einen beschleunigten Umstieg ist die Frage des Netzausbaus zentral, was zu einer aufgeheizten Energiediskussion führte. Immer neue verwirrende Zahlen werden veröffentlicht, über das Ausmaß der Veränderungen, die Kosten und die Belastungen für Volkswirtschaft und Verbraucher. Das aktuelle Hintergrundpapier "Erneuerbare im Netz – Die notwendige Anpassung der Versorgungsinfrastruktur" der Agentur für Erneuerbare Energien legt nun dar, dass für die „Energiewende“ weitreichende Veränderungen notwendig, diese aber auch machbar sind. Das derzeitige Stromnetz kann für eine Zukunft mit erneuerbaren Energien „fit gemacht“ werden, wenn neben dem richtigen Energiemix eine Reihe weiterer wichtiger Neuerungen eingeführt werden.
Für den Bau umfangreicher Netzleitungskilometer gibt es auch Alternativen
Björn Klusmann, Geschäftsführer des BEE (Bundesverband Erneuerbare Energien) hält die kursierenden Zahlen von mehreren tausend Kilometern neuer Höchstspannungsleitungen für übertrieben. Die Netzinfrastruktur soll stärker an die Anforderungen einer dezentraleren, auf Wind, Sonne und Wasser als Energiequellen basierenden Stromerzeugung angepasst werden. Der Bau neuer Stromtrassen, die ein regionales Gefälle des Stromangebots ausgleichen, kann einen starken Eingriff in die Natur und die Landschaft bedeuten. Um die damit verbundenen Auswirkungen weit möglichst abzuschwächen, sind weitere Alternativen abzuwägen, die den Bedarf an Neubau von Leitungen minimieren.
Innovationen im Bereich der neuen Speichertechnologien gefragt
Die natürliche Bereitstellung von Wind und Sonne erfolgt nicht immer zeitgleich mit dem Strombedarf.
Deswegen ist es erforderlich, bestehende Speicherkapazitäten zur Zwischenspeicherung des Stroms auszubauen. Doch die Möglichkeiten für den Neu- und Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken sind begrenzt. Deshalb müssen neue Speichertechnologien entwickelt werden, was Raum für technische Innovationen bietet.
Mehr Flexibilität für ein optimales Zusammenspiel von Stromerzeugung und Bedarf
Insgesamt muss der Kraftwerkspark flexibler werden. Nur so können die steigenden Mengenanteile der stark schwankenden Stromerzeugung durch die erneuerbaren Energien dauerhaft integriert werden. Kurzfristige Erzeugungsschwankungen werden derzeit mit Großkraftwerken, mit Gas- und Dampfkraftwerken, Gasturbinen und Pumpspeicherkraftwerken ausgeglichen. Die zunehmenden wetterbedingten Schwankungen der Stromerzeugung erfordern eine flexiblere Abstimmung zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch. Ein Konzept, das diese Anforderung erfüllen kann, sind zum Beispiel Kombikraftwerke, ein Zusammenschluss vieler kleiner, dezentraler Stromerzeugungsanlagen und Speicher.
Moderne Informationstechnologie unterstützt das Verbrauchsmanagement
So genannte intelligente Stromnetze (Smart Grids) können Stromverbraucher und Stromversorger mittels moderner Informations- und Kommunikationstechnologien miteinander vernetzen. Stromkunden sollen in die Lage versetzt werden, ihren Verbrauch besser an das momentane Angebot anzupassen. Dazu kommen erweiterte Transportkapazitäten und neue Technologien zur Übertragung von Strom, die zu einer verstärkten Integration und Optimierung der erneuerbaren Energien beitragen sollen.
Der bevorstehende Wandel der Energiewirtschaft bedeutet für alle Beteiligten – Stromerzeuger, Netzbetreiber und Kunden – einschneidende Veränderungen und große Kraftanstrengungen. Das tatsächliche Ausmaß an Investitionen und deren Finanzierung ist noch nicht vollständig erfasst. Aber was ist die Alternative? Der Bau neuer konventioneller Großkraftwerke? Das ist mit Blick auf den Klimaschutz, die Akzeptanz der Bevölkerung und die zu erwartenden Kosten keine ernsthafte Option.
Hintergrundpapier "Erneuerbare im Netz - Die notwendige Anpassung der Versorgungsinfrastruktur" hier downloaden
Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien

