Stromkonzerne missbrauchen erneuerbare Energien für Preiserhöhungen

Wie Stromkonzerne ihre marktbeherrschende Stellung nutzen, um auf Kosten der Verbraucher ihre Profite zu maximieren, und gleichzeitig die erneuerbaren Energien für die massiven Strompreiserhöhungen verantwortlich machen.

Betrachtet man die Entwicklung der Strompreise von 2000 bis 2009, stieg die EEG-Umlage (der Anteil für erneuerbare Energien im Strompreis) wesentlich geringer, als sich der Strompreis im gleichen Zeitraum erhöhte. Der sprunghafte Anstieg der EEG-Umlage in 2010 und 2011 beruht  darauf, dass das Marktwachstum der Photovoltaik für diese Zeiträume niedriger vorhergesagt war. Stromversorger begründen jetzt ihre Erhöhungen der Strompreise einseitig mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien, obwohl laut Berechnungen einschlägiger Wirtschaftsorganisationen der Preis für Strom nahezu konstant bleiben müsste.

Die Energiewirtschaft stellt die Erneuerbaren als Preistreiber dar und wurde dabei auch noch von der einseitigen Medienberichterstattung unterstützt. Diese verkündete im Gleichklang, dass sich die EEG-Umlage von 1,5 auf 3,5 Cent erhöht, aber verschwieg die andere Hälfte der Wahrheit: die fundierte Strompreiskritik von Matthias Kurth. Der Präsident der Bundesnetzagentur erläuterte, dass die Einkaufspreise für Strom im Großhandel –  wegen des zunehmenden Angebots an erneuerbaren Energien – stetig fallen. Dieser Einkaufsvorteil  der Stromanbieter müsste laut Berechnungen der Bundesnetzagentur sogar dazu führen, dass der Anteil für die Beschaffungskosten bei den Endverbrauchern in 2011 durchschnittlich um einen halben Cent pro Kilowattstunde sinkt. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Eindruck entsteht, dass einige Stromversorger die EEG-Umlage als Argument für ungerechtfertigte Preiserhöhungen missbrauchen.

Dass der Strompreis bei ausreichendem Wettbewerb im Strommarkt fast konstant bliebe, darauf weist Volkswirtin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hin. Die deutliche Verringerung der Großhandelspreise für Strom in den letzten Jahren kommt bei den Verbrauchern nicht an. Stattdessen maximieren die Stromkonzerne auf Kosten der Verbraucher ihre Gewinne in bisher ungekannten Ausmaß. Von 6 auf über 23 Milliarden schnellten die Gewinne der drei großen Stromkonzerne in den Jahren 2002 bis 2009 laut Bund der Energieverbraucher hoch: 26,6 Prozent Rendite! Davon können Betreiber von kleinen Photovoltaikanlagen nur träumen. Dafür dürfen Eigentümer von Solaranlagen und die Photovoltaik-Wirtschaft insgesamt für die Strompreisexplosion – tatsächlich verursacht durch die verbraucherfeindliche Marktpolitik der Stromkonzerne – herhalten. Eine untragbare Situation angesichts der real gewordenen Bedeutung der erneuerbaren Energieformen für eine nachhaltige, wirtschaftliche und umweltfreundliche Stromversorgung.