Desertec - Die globale Energieversorgung der Zukunft?
Woher stammt der Strom der Zukunft?
Überall auf der Welt schreiten die erneuerbaren Energien in großen Schritten voran. Eines der bemerkenswerten Ökostrom-Projekte ist Desertec, das auf die Nutzung der reichsten Energiequelle der Welt setzt: die Sonne. Und das im großen Stil. Sonnenreiche Wüsten mit einer Sonneneinstrahlung, die ungefähr das 2- bis 3-fache im Vergleich zu den Sonnenerträgen in Europa beträgt, umspannen die gesamte Erde nördlich und südlich des Äquators. Mit Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen (HGÜ) soll sauberer Strom aus einer Vielzahl von Solarkraftwerken über tausende von Kilometern in die Zentren der Welt geliefert werden. Alle Technologien, die man dafür braucht, sind schon heute verfügbar und in der Praxis erprobt.
Die Zukunft hat schon begonnen
Die Vision von Desertec verbindet eine sichere Energieversorgung und Klimaschutz mit der Gewinnung von Trinkwasser und die ökonomische Entwicklung mit der Sicherheitspolitik und der internationalen Kooperation. Denn die günstigsten Standorte, um Wüstenstrom zu erzeugen, liegen meist in den wirtschaftlich weniger entwickelten Regionen. Diese Länder können mit dem Solarstrom nicht nur ihren eigenen Bedarf decken, sondern auch andere Länder mitversorgen. Desertec schafft eine Grundlage für eine positive und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Die Zukunftsvision des gigantischen Systems einer globalen Energieversorgung befindet sich schon in der Umsetzung. Mit der erfolgreichen Desertec-Konferenz mit bedeutenden Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft im Oktober letzten Jahres ist ein weiterer Durchbruch gelungen.
Strategische Partnerschaften mit den Mittelmeerländern
Deshalb sollen die Länder der sog. MENA-Region (Nahost und Nordafrika) im Stromversorgungsszenario der Europäischen Union (EU) eine entscheidende Rolle spielen. Marokko, Algerien und Tunesien befinden sich bereits in der Umsetzung konkreter Vorhaben. In Marokko wurde mit deutschem Ingenieurs-Knowhow das erste Solarkraftwerk gebaut. Der Algerische Energieminister Youcef Yousfi verkündet, die erneuerbaren Energien rasch aufzubauen, um den Eigenbedarf zu decken und sauberen Strom nach Europa zu exportieren (2.600 MW bis 2020 in der 1. Phase). Die marokkanische Ministerin Frau Amina Benkhadra hat bei einem Besuch im Januar 2010 in Berlin den marokkanischen Solarplan vorgestellt, der von den Partnern als sehr ambitioniert angesehen wird.
Desertec ist ein Projekt der Superlative
Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sprechen Szenarien alleine in Nord-Afrika und dem Nahen Osten von bis zu 470.000 MW Stromleistung bis zum Jahr 2050. Rund 1 Milliarde Euro soll die Investition in den Bau eines 250 MW Kraftwerks mit Luftkühlung derzeit betragen. Das Kraftwerk kann dank Speichertechnologie im 24-Stunden-Betrieb mit voller Leistung laufen. Die Betriebsdauer wird mit mehr als 40 Jahre angegeben. Da das Kraftwerk rein solar betrieben wird, fallen keine Brennstoffkosten an. Es besteht sogar die Möglichkeit – bei flachen Spiegelfeldern, den Schatten unter den Kollektoren landwirtschaftlich zu nutzen.
Es stehen gewaltige Investitionen bevor
Immer mehr rückt ein europäisches Supernetz in den Fokus. Die Mitglieder der Northsea Countries Offshore Grid Initiative Anfang Dezember 2010 erklärten ihr Absicht und Bereitschaft zur Kooperation – ein wichtiger Schritt für eine umfassende europäische Netzinfrastruktur, die den Wüstenstrom integriert. Die Gesellschaft Medgrid wurde von 20 Industrieunternehmen mit dem Ziel gegründet, Nordafrika und Europa mit dem Bau von bis zu fünf Unterseeleitungen im Mittelmeer zu verbinden. Die Kosten für den Netzausbau insgesamt werden bis auf 1 Billion Euro geschätzt. Ein gigantisches Konjunkturankurbelungsprogramm!
Neben Zustimmung gibt es auch Bedenken
Das Großprojekt wird kontrovers diskutiert und hat neben zahlreichen Befürwortern auch Kritiker. Einige argumentieren, dass der Import von Strom politisch riskant sei, sobald der Anteil an Wüstenstrom eine gewisse Grenze übersteige. Die Energieversorgung eines Staates aus externen Lieferanten berge weiterhin die Gefahr von Abhängigkeit von Ländern in einer Region, die als politisch unsicher gilt. Außerdem könnten die neuen Hochspannungsnetze mögliche terroristische Ziele sein. Desertec führt an, dass die solarthermische Stromerzeugung in vielen Projekten verteilt über die gesamte Region realisiert werden soll, also nicht in einem einzigen Mega-Projekt. In den importierenden Ländern soll die Stromerzeugung aus eigenen Energiequellen jederzeit Vorrang haben. Bis 2050 stammen etwa 65 Prozent des europäischen Stroms laut DRL aus heimischen erneuerbaren Quellen und 17 Prozent von Lieferanten der Desertec-Allianz.
Der Bundesverband Solarwirtschaft sagt, dass durch den Ausbau der regenerativen Energien bis 2020 bereits 50% des Bedarfs in Deutschland gedeckt würden, auch weil sich die Photovoltaik derzeit stark entwickelt. Somit könnten dann die heutigen Ziele von Desertec und der Strombedarf aus externen Quellen dann nicht mehr die Bedeutung haben.
Quelle: Desertec Foundation

