Präsident der Bundesnetzagentur: EEG-Umlage rechtfertigt keine Strompreiserhöhung
Seit Jahren steigen kontinuierlich die Kosten für Energie und insbesondere der Strompreis in Deutschland. Vertreter der Stromwirtschaft wiederholen monoton, der immer teurer werdende Strom sei in den gestiegenen Kosten durch die Einspeisung erneuerbarer Energien begründet, präzise ausgedrückt durch die steigende EEG-Umlage. Alle Stromverbraucher finanzieren über die EEG-Umlage – zurzeit knapp über 2 Cent pro Kilowattstunde des Strompreises – den Ausbau der erneuerbaren Energien mit.
Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, widerspricht in einer Rede in Berlin auf dem Regulierungskongress (Euroforum) im September der Darstellung der konventionellen Energiewirtschaft: „Die steigende EEG-Umlage rechtfertigt nicht die Entwicklung der Strompreise". Aus Sicht der Bundesnetzagentur seien die Strompreise für Verbraucher zu hoch. Kurth weist auf den „mangelnden Wettbewerb“ auf dem deutschen Strommarkt hin.
Die Zeitschrift Photon berichtete in ihrer August-Ausgabe über die Realität am Strommarkt. Schon heute decken erneuerbare Energien auf dem Spot-Markt (kurzfristiger Markt für Stromangebote) der Leipziger Energiebörse in Spitzenzeiten bis zu 20 Prozent des Strombedarfs (wie im Juni 2010). Sie sorgen außerdem kurzfristig für drastische Preissenkungen an der Strombörse. Experten rechnen damit, dass die Erneuerbaren den Strompreis langfristig positiv beeinflussen. Verantwortlich dafür sei der sogenannte Merit-Order-Effekt: teurer Strom, zum Beispiel von Kohlekraftwerken, wird durch Energieformen verdrängt, welche durch niedrige oder keine variablen Kosten klar im Vorteil sind, zum Beispiel Photovoltaik-Strom oder Strom aus Windkraft.
Den gleichen Ansatz verfolgt auch ein Gutachten des BMU (Bundesministerium für Umwelt), welches belegt, dass das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) und damit die erneuerbaren Energien eine Strompreis senkende Wirkung haben.
Neben Angebot und Nachfrage tragen noch andere Faktoren zur Preisbildung des begehrten „guten Stroms“ bei. Wie sich der Strompreis tatsächlich zusammensetzt, hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelt. Die größten Posten stellen Energieerzeugung und Vertrieb, Netzkosten und die Mehrwertsteuer dar. Neben anderen Bestandteilen betrug der Anteil für die EEG-Umlage im Jahr 2009 lediglich 4,87 Prozent.

